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6 +1 Gründe, weshalb digital aufzulegen besser ist als mit Vinyl

Abtastnadel auf Vinyl
Nadel auf der Vinyl Schallplatte. Foto: makohl über Flickr.com / CC BY-SA 2.0

Inzwischen gibt es keinen Streit mehr, was besser ist: auflegen mit Vinyl oder digital (abgesehen von ein paar ganz unversöhnlichen Querköpfen vielleicht). Gerne diskutiere ich mit jedem, der die Zeit dazu hat, die Vorteile vom digitalen Auflegen. Hier kommen meine 6 + 1 Gründe, weshalb digital Vinyl und CD schlägt:

1. Du hast alle Deine Tracks immer dabei

Das ist ein fetter Vorteil. Wenn Du ein festes 2-Stunden Set zu Hause fertig geplant hast, ist das vielleicht nicht so wichtig. Wenn Du aber die ganze Nacht spielst, auf die Stimmung auf der Tanzfläche eingehst oder Wünsche Deiner Gäste berücksichtigst, sieht das ganz anders aus. Genauso, wenn Du zum Beispiel unterwegs bis und die Reisezeit nutzt, um Dein Set festzulegen. Mit dem Laptop oder Tablet geht das ganz bequem in der Bahn, im Flieger, auf der Alm oder am Pool. Dir kommt auch nicht mehr diese Idee in den Kopf „ …das würde jetzt einen geilen Übergang mit  … geben…“, um dann festzustellen, dass Du genau diese Vinyl-Scheibe nicht dabei hast. Das ist für mich ein Riesenvorteil!

2. Du findest Deinen Track in Sekunden

OK, ich gebe es zu, ich liebe es, in meinen Platten zu wühlen, sie fassen sich toll an, zu praktisch jeder weiß ich noch genau, wann und wo ich sie gekauft habe, und ich habe ein bildliche Vorstellung, auf welcher Seite der beste Mix ist und wo die Nadel das Vinyl für den perfekten Mix-In berühren muss.

Aber: mit zunehmender Größe meiner Sammlung – und wir reden jetzt von deutlich über 50.000 Tracks – weiß ich die Suchfunktion meiner DJ Software immer mehr zu schätzen. Ein paar Tastendrücke und das gewünschte Stück steht bereit, um in Dein Deck geladen zu werden. Du kannst nach dem Jahr suchen, nach einem Genre oder auch mal in einer alten Wiedergabeliste spicken, um zu sehen, was vor drei Wochen so super funktioniert hat. Herrlich!

3. Digitale Tracks kosten viel weniger als Vinyl

Wie habe ich als Schüler beim Import-Dealer meines Vertrauens rumgehangen und stundenlang einige wenige Neuerscheinungen immer wieder gehört, um dann für einige wenige 12“-Scheiben jeweils bis zu zwanzig DM auf den Tisch gelegt. (Für die unter Euch, die etwas jünger sind – die DM ist die alte Währung der Bundesrepublik Deutschland. Das entspräche nach heutige Kaufkraft ca. 20 € – für eine Platte mit einer Club-Version auf der A-Seite und einem Instrumental auf der Rückseite). Auch heute kannst Du für eine Vinyl-Maxi locker 10 € investieren. Dafür gibt’s je nach Quelle 6 bis 10 Downloads. Es war noch nie so günstig, so viel Musik zu kaufen.

4. Du bist nicht auf Plattenlabel angewiesen, Dir die neuesten Promos zu senden

Damals in den Achtzigern, Neunzigern und noch in den 2000ern war das Ziel eines jeden DJs auf dem Verteiler der richtigen Label und Promotoren zu sein. Nur so konntest Du die neuesten und schärfsten Tracks spielen, die andere nicht hatten. Für die Plattenfirmen war der Versand der Vinyl-Promos ein teures und aufwändiges Vergnügen. Deshalb war es so schwer, auf diese Verteiler zu kommen.

Aber es hat sich gelohnt für Dich als DJ: Du hast haufenweise leckere, schwer zu findende Scheiben bekommen, darunter auch viele Tracks oder Versionen, die nie kommerziell veröffentlicht wurden. Je wichtiger der DJ, desto eher hat er eine Scheibe bekommen. So haben meine DJ Kumpels und ich Platten bekommen, wenn ein paar Hundert Kopien eines Releases verteilt wurden. Die wirklich bekannten DJs wurden auch dann mit Platten bemustert, wenn nur Kleinstauflagen von 10, 20 oder 50 Promos gepresst und verteilt wurden. Wenn Du also nicht einer der echten Top-DJs in einem Genre warst, hast Du viele wirklich gute Scheiben nicht bekommen. Dann blieb Dir nur das, was alle Einsteiger und unbekannten DJs machen mussten: die Gebrauchtplatten-Läden abklappern, in denen gut bemusterte DJs ihre Promos versilberten, die sie selbst nicht oder nicht mehr spielten.

Natürlich werden auch heute noch CDs und Vinyl durch die Lande geschickt, aber der Vorteil von damals ist ein für alle Mal dahin. Heute kannst Du Dir online die neusten Sachen auf Bandcamp oder Soundcloud besorgen. Und es geht über die Beziehungen, die jeder von uns direkt online zu Künstlern und Remixern knüpfen kann, deren Arbeit er schätzt. Und es gibt digitale „Record Pools“, die Dich kostenlos oder für einen monatlichen Beitrag online mit frischer Musik Deines Genres versorgen.

5. Du kannst einen Track direkt remixen, ohne die Platte doppelt zu kaufen

Früher habe ich mir bei den Tracks, die ich live remixen wollte, das Vinyl ein zweites Mal gekauft. Nur so konnte ich den Break verlängern, den Chorus doppeln oder auch mal eine langweilige Stelle „überspringen“, um eine eigene – meine – Version des Tracks im Club zu spielen. Das geht heute so viel einfacher – nur den selben digitalen Track in ein zweites Deck laden und schon hast Du alle diese Möglichkeiten zur Verfügung – ohne einen Cent extra auszugeben. Und mit einem Vier-Kanal Controller kannst Du Dich richtig austoben, was Deine musikalische Kreativität angeht.

6. Die Musikauswahl war noch nie größer

Plattenläden gab es nur in großen Städten in vernünftiger Anzahl und einer ordentlichen Musikauswahl, wenn es was anderes als Mainstream sein sollte. Ich habe das Glück, damals in Berlin gelebt zu haben, wo es genug Dealer gab. Trotzdem musste ich früher mehrere Plattenläden abklappern, um einen Überblick über die Neuerscheinungen zu bekommen und mir die besten Vinyl-Scheiben zu kaufen. Heute kannst Du das alles bequem von zu Hause machen, egal, wo Du wohnst. Oder gar von unterwegs aus – Mobilfunk, Smartphone und Tablet sei Dank.

Die Tracks, die heute neu erschienen sind. Ein Mausklick. Ein Track, den Du verpasst hast? Hieß früher oft: ausverkauft, das Vinyl wird nicht mehr nachgepresst. Tschüß – oder gebraucht suchen. Heute: kein Problem – mit den Suchfunktionen der großen Online-Shops findest Du so ziemlich jeden Track und jeden Mix davon blitzschnell und ziehst in Dir auf Deine Festplatte.

 

So, welchen Schluss können wir daraus ziehen? Es ist die Musik, die zählt!

Es ist kein Zufall, dass die Argumente sich alle um die Musik drehen. Dem Partyvolk ist es sowas von egal, womit Du heutzutage spielst. Wenn Du mit dem, was Du benutzt, ein besseres Set spielst, dann ist das das Beste für Dein Publikum – und für Dich als DJ. Und das zählt mehr als alles andere, wenn Du auflegst.

 

Aber für mich gibt es noch ein weiteres, „gewichtiges“ Argument:

7. Du hast nicht so viel zu tragen

Was habe ich mich abgebuckelt, vor allem, wenn ich nicht in Clubs aufgelegt habe, die zwei 1210er dort stehen hatten. Zwei Plattenspieler mit Case – je 18 kg. Ein bis zwei, manchmal gar vier, Platten-Cases mit je ca. 100 Vinyls – je 25 kg. Ein Mischpult im Case – auch noch einmal 12 kg. Damit habe ich zu manchen Gigs mehr als mein Körpergewicht durch die Gegend geschleppt. Und was haben sich die Fluggesellschaften gefreut, wenn sie für zwei Record-Cases Übergewichtszuschläge berechnen konnten – mit 1% vom Erste-Klasse-Preis pro Kilogramm.

Heute stecke ich meinen Laptop in meine Umhängetasche, meinen Controller und den Laptop-Ständer in ein Softcase und los geht’s. Das wiegt alles zusammen keine fünfzehn Kilogramm. Was für eine Erleichterung!

Was meinst Du? Bist Du von Vinyl oder CD zu digital umgestiegen? Glaubst Du, dass Vinyl-DJs eine aussterbende Gattung sind? Oder glaubst Du, dass „echtes“ DJen zwei Plattendreher, schwarze Vinyl-Scheiben und einen analogen Mixer braucht? Schreib uns in die Kommentare …

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5 Kommentare

  1. Dem kann ich mich nur anschließen… Mein Vater hat noch mit Platten aufgelegt und ich kann mich noch gut an viele Nachmittage und Vormittage des Auf- und Abbaus erinnern inklusive Plattenkistenschleppen etc. Und am nächsten Tag durfte ich dann die losen LPs und Singles wieder in die richtigen Hüllen einsortieren. Was hätte ich damals für Digital gegeben… 😉

    • Dann hast Du es ja auch noch miterlebt, das schwere Schleppen. An das Sortieren der Platten vor und nach dem Gig habe ich beim Schreiben meines Beitrags gar nicht gedacht. Das ist mit digital natürlich auch viel leichter. Eine Playlist für ein Set ist flugs zusammengestellt – und will nach dem Gig nicht zurückgeräumt werden

  2. Ich lege nach wie vor mit Vinyl auf. Aber mit Serato und einem DVS System. Dadurch muss ich nicht auf Vinyl verzichten habe aber die digitalen Möglichkeiten des Laptops.
    So ist es für mich die beste Lösung.

  3. Vinyl auflegen ist wie Oldtimer fahren.
    Will man nicht täglich machen, aber zur richtigen Gelegeheits ist’s umso geiler.

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