Beatport kann Labels und Vertriebe nicht bezahlen

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Beatport Logo. Bild: Beatport.com

Beatport kann Labels und Vertriebe für Verkäufe in April bis Juni 2015 nicht bezahlen

Das größte Musik-Portal für elektronisch Tanzmusik, Beatport.com, hat in dieser Woche in einer knappen E-Mails an die Labels, deren Musik es verkauft, mitgeteilt:

„Beatports Muttergesellschaft SFX ist derzeit in den Prozess des Verkaufs von Unternehmens-Anteilen involviert, der bestimmte eingenommene Label-Gelder „gefangen“ hätte. Dieser Prozess  würde in einigen Wochen abgeschlossen werden, dann werden die Zahlungen geleistet werden können.“

Die Zahlungen für die drei Monate des zweiten Quartals waren am letzten Donnerstag, 30.07.2015 fällig. Beatport nennt in seiner E-Mail keinen genauen Termin, zu dem das Geld fließen würde. Vergleichbare Mitteilungen gingen wohl auch an alle Vertriebe, Zulieferer und Dienstleister von Beatport.

Der Muttergesellschaft von Beatport, SFX Entertainment Inc. mit Sitz in New York, gehören neben Beatport auch Festivals wie Tomorrowland, TomorrowWorld, Electric Zoo, Sensation, Mysteryland, Nature One, MAYDAY und Ruhr-In-Love. Sie ist in der Szene der elektronischen Tanzmusik bekannt für ihre ruppiges Geschäftsgebaren, zum Beispiel beim Kauf anderer Unternehmen oder im Umgang mit Mitarbeitern von übernommenen Unternehmen.

Das Unternehmen ging im Oktober 2013 mit 62,6% seiner Anteile an die Börse NASDAQ. Damals haben die Aktien 13 US$ gekostet, seitdem haben sie erheblich an Wert verloren. Vor der E-Mail an die Labels, Lieferanten und Dienstleister kostete die Aktie noch knapp 4 US$, heute notiert sie bei 3,14 US$.

SFX hat in 2014 einen Verlust von 131 Mio. US$ erwirtschaftet, auch im ersten Quartal 2015 wurden 41,6 Mio. US$ Verlust erwirtschaftet. Der Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2015 wird am Montag, 10.08.2015 veröffentlicht.

Derzeit versucht der Gründer und Anteilseigner von SFX, Robert Sillerman, die gut 62% an der Börse notierten Anteile des Unternehmens zurückzukaufen. Dazu muss er 744 Mio. US$ aufbringen. Ob ihm das gelingt ist fraglich. Robert Sillerman ist gleichzeitig auch der Chairman und CEO von SFX. Trotzdem hat ihm sein Unternehmen eine Frist gesetzt, um den Nachweis zu führen, dass er das für den Kauf notwendige Geld aufbringen kann.

Uns sind keine Fälle bekannt, in der ein Verkauf von Anteilen einer Muttergesellschaft die Auszahlung von vereinbarten Umsatzanteilen verhindern hätte. Vielmehr sollte das Verhalten von beatport die Alarmglocken bei allen Label-Managern läuten lassen, dass das Unternehmen selbst und/oder seine Muttergesellschaft in ernsten finanziellen Schwierigkeiten stecken.

Beatport brüstet sich damit, dass 90% Prozent seiner Umsätze mit kleinen Labels gemacht werden. Und zahlreiche kleine Labels machen einen Großteil ihrer Umsätze mit Beatport. Diese kleinen Labels sind in der Regel Unternehmen, die extrem eng finanziert sind. Eine Verzögerung der Einnahmen von mehreren Wochen kann für solche Unternehmen zur Zahlungsunfähigkeit führen.

 

Kaufst Du bei Beatport? Was hältst Du davon? Kommen die Labels und Vertriebe – und damit auch die Artists – noch zu ihrem Geld? Schreib uns in die Kommentare …

 

Dieser Beitrag beruht auf eigenen Recherchen und Artikeln in:

http://www.musicbusinessworldwide.com/

http://www.decodedmagazine.com/

http://djmag.com/

http://www.wsj.com

 

 

 

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