Deine Frage: Wie nutze ich ein Beatgrid?

Traktor Pro 2.9 mit Beatgrid
Traktor Pro 2.9 mit Beatgrid. Foto: Screenshot

Unser Leser SunFinCol schreibt: „Als ich mit dem Auflegen aufgehört habe, gab es noch keine Controller, ich hatte einfach nur 2 Technics und Vinyl 🙂 Später kamen noch CD Player dazu, die ich aber nicht voll genutzt habe. Von daher bin ich ziemlich unwissend. So habe ich zum Beispiel die „Grid Taste“ an meinem Pioneer DDJ-SX2 nicht verstanden und auch nicht das Zusammenspiel mit der Slicer Taste, die wohl ein Beatgrid benötigt, um zu funktionieren.“

Das ist eine gute Frage, denn das Beatgrid in unserer DJ Software ist einer der großen Unterschiede zu Vinyl oder auch CDs.  Es eröffnet viele Möglichkeiten, die es zuvor nicht gab.

Analyse eines Tracks

Wenn eine DJ Software einen Track einliest, versucht sie möglichst viel über ihn herauszufinden. Das eine sind technische Informationen über die Datei:

  • Dateiname und -pfad
  • Datei-Typ (z.B. MP3 , WAV oder FLAC)
  • Auflösung (in der Regel 16 bit, bei hochauflösenden Dateien auch 24 bit)
  • Bitrate (z.B. bis zu 256 bei AAC/M4A, bis zu 320 kbps bei MP3, 1.440 kbps bei WAV in CD-Qualität)
  • Abtastrate (z.B. 44,1 KHz, wenn das Original in CD-Qualität vorlag)
Serato DJ Beatgrid
Auch Serato DJ bietet für das Beatgrid umfassende Anpassungsmöglichkeiten. Foto: Screenshot

Dazu kommen Meta-Informationen, also Informationen über den Inhalt des Tracks, die mit diesem gespeichert sind. Dazu gehören Dinge wie:

  • Titel
  • Künstler
  • Release
  • Releasedatum
  • Genre
  • Label
  • Remixer
  • Produzent

Diese Informationen werden in der Regel mit einer Datei in den sogenannten Meta-Tags als Text gespeichert. Aber auch Grafik, wie das Cover, kann zu einem Track in den Meta-Daten gespeichert werden.

djay Pro Beatgrid
djay Pro bietet die wenigsten Bearbeitungsmöglichkeiten, setzt aber die Beatgrids auch bei Stücken mit z.B. Live Drummer sehr gut automatisch. Foto: Screenshot

Weder die technischen Angaben noch die Meta-Daten helfen der Software zu verstehen, was denn im eigentlichen Track vor sich geht. Dazu laufen weitere Analysen, um z.B. die Tonart und die BPM-Zahl, also die Anzahl Taktschläge pro Minute, zu ermitteln. Damit kennt eine Software dann zwar die (durchschnittliche) BPM-Zahl des Tracks, weiß aber immer noch nicht, wo im Track die einzelnen Beats tatsächlich sitzen. Diese Informationen braucht sie, um Cue-Punkte, Hotcues und Auto-Loops taktgenau – also auf die Beats – gesetzt werden. Und die Informationen dienen dazu, dass solche Dinge wie Slicer / Freeze, Beatjump oder der Sync-Button richtig funktionieren.

Serato DJ hat einen Modus „Simple Sync“, der einfach nur die BPM-Zahlen und damit die Geschwindigkeit der Tracks angleicht. Das entspricht dem Sync-Modus von Serato DJ Intro. Dabei werden aber die Taktschläge der beiden Lieder nicht automatisch übereinander gezogen, sondern es hängt vom DJ ab, der den zweiten Track startet, ob sie im Übergang aufeinander liegen oder verunglückt klingen.

Der Nutzen von Beatgrid

Richtig nutzbar werden Auto-Loop, Slicer & Co. erst durch ein Beatgrid. Das ist ein – im einfachsten Fall – gleichmäßiges Raster, das die Software so über den Track legt, dass die Linien des Rasters genau auf die Taktschläge des Tracks fallen. Bei Serato DJ heißt das Dynamic Sync Mode (nur in der Vollversion enthalten), auch andere DJ Softwaren arbeiten so.

Traktor Pro Beatgrid
In Traktor Pro gibt es einen separaten Tab unterhalb des Decks, in dem das Beatgrid bearbeitet wird. Allerdings kennt Traktor nur eine BPM-Zahl für den gesamten Track. Foto: Screenshot

Wichtig ist, dass die Beatgrids auf Deinen Liedern richtig sitzen. Lag Deine Software bei ihrer Analyse daneben, klingen auch ein Hotcue, Auto-Loop oder Übergang zwischen zwei Tracks trotz Sync (oder gerade deshalb) daneben.

Insofern ist es sinnvoll, dass Du kontrollierst, was Deine Software analysiert hat. Bei moderner elektronisch produzierter Musik mit Four-to-the-Floor Rhythmus der Basstrommel ist die Chance sehr hoch, dass die Software es gut macht. Trotzdem ist es auch hier immer wieder mal notwendig, das Grid noch geringfügig anzupassen, damit es wirklich knack-richtig auf den Beats sitzt. Schwierig kann es für die Software bei vertrackten Rhythmen werden, bei denen die Beats wild um die eigentlichen Taktschläge drumherum liegen, z.B. im Hip-Hop. Ragga, Drum&Bass oder Tribal House). Oder Tracks andere Taktarten haben, z. B. 3/4 Takt.

Bearbeiten des Beatgrids

Dazu bietet Dir vollwertige DJ Software die Möglichkeit, das Beatgrid zu verschieben und zu dehnen bzw. zu stauchen (also die BPM-Zahl zu ändern). Meisten kannst Du auch Marker setzen, die eine „1“, also den ersten Schlag in einem Takt darstellen, ab der das Beatgrid erstmalig – oder wieder neu – beginnt. Für den Fall, dass die Analyse zwar grundsätzlich richtig lag, aber nur jeden zweiten oder doppelt so viele Beats erkannt hat, wie richtig sind, bieten verschiedene DJ Softwaren noch die Möglichkeit die BPM-Zahl mit „x2“ zu verdoppeln oder „/2“ zu halbieren. Außerdem lässt sich oft in den Einstellungen festlegen, in welchen Beatbereichen die BPM-Zahlen liegen sollen. Wer zum Beispiel nur House in verschiedenen Spielarten auflegt, wird kaum BPM Zahlen unter 100 benötigen.

rekordbox 4 Beatgrid Optionen
rekordbox 4 bietet umfangreiche Optionen zum Anpassen des Beatgrids und lässt zum Beispiel die BPM-Zahl links von einem bestimmten Marker unverändert. Foto: Screenshot

Anders ist das bei Musik, die zum Beispiel mit einem menschlichen Drummer aufgenommen wurde. Oder bei älterer Musik mit Drum Machine (die es ab ca. 1980 gibt), die aber noch nicht auf Festplatte, sondern noch auf Bandmaschinen aufgezeichnet wurde (bis Ende der 80er Jahre) – hier wurden oftmals Tape-Edits gemacht, also Schnitte am Band vorgenommen. Die fallen zwar beim Hören nicht auf, halten aber oft nicht hundertprozentig die Zeit. Oder es wurden Song-Abschnitte aus verschiedenen Studiosessions zu einem Track zusammengesetzt. Dabei wurde versucht, die (früher analoge) Drum-Machine in den einzelnen Sessions auf eine ähnliche Geschwindigkeit einzustellen – aber eben nicht perfekt die selbe getroffen.

Beatgrids in DJ Software

Hier hängt es von den Fähigkeiten Deiner DJ Software ab, wie gut sie mit solchen Geschwindigkeitsschwankungen umgehen kann. Traktor Pro zum Beispiel kennt nur eine BPM-Zahl für den kompletten Track. Pioneer DJ’s rekordbox und djay Pro von algoriddim kommen dagegen mit Tempo-Schwankungen zurecht und erkennen die bereits bei der Analyse recht zuverlässig. Serato DJ bietet die Möglichkeit, durch das Setzen von Markern das Beatgrid an Veränderungen in der Geschwindigkeit anzupassen.

Am Beispiel Beatgrid wird auch deutlich, warum es so wichtig ist, sich erst für die Software und dann für die Hardware zu entscheiden. Die Arbeit an den Beatgrids kostet richtig Zeit, die Beatgrids speichert aber jede Software in einem eigenen Format. Willst Du später die Software wechseln, heißt es die Beatgrids all Deiner Tracks wieder neu zu kontrollieren und anzupassen.

Welche Erfahrungen hast Du bei der Arbeit mit Beatgrids gesammelt? Welche Tipps hast Du, die Du gerne mit uns teilst? Schreib in die Kommentare …

 

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