Native Instruments stellt mehrspuriges Audio-Format vor

Zwei Tonbandspulen an einem Tonbandgerät von Grundig
Mehrspuriges Tonband, Foto: Markus Spiske/pixabay

Auf der Musikmesse WMC in Miami hat Native Instruments ein neues Audio-Format für Musikdateien vorgestellt. Es erlaubt DJs Tracks in ihre Bestandteile zu zerlegen und damit zu arbeiten.

Das neue Format wurde auf „Stem“ getauft, angelehnt an die Aufnahmen auf klassischen Mehrspur-Tonbändern, die in Tonstudios zur Aufzeichnung der Musik benutzt wurden. Diese werden auf Englisch als Stems bezeichnet. Auf diesen Bändern wurden die verschiedenen Instrumentengruppen oder Gesang auf einzelnen Spuren aufgezeichnet. Jede Spur konnte dann individuell bearbeitet werden, ehe sie in das finale Stereo-Format mit zwei Spuren überführt wurde.

Und das ist fast schon die Beschreibung des neuen Audio-Formats, das NI jetzt angekündigt hat: Es gibt vier separate Stereo-Spuren für z.B. Drums, Bass, Harmony und Lead. Diese vier Stereo-Spuren können vom DJ gezielt bearbeitet werden, sei es um einen Effekt oder Filter auf einzelne Spuren des Tracks anzuwenden, sei es um nur eine Spur in einem Mash-Up mit Spuren aus anderen Tracks zu einem neuen Track zu mixen. Dadurch ergeben sich völlig neue Möglichkeiten, Musik beim Auflegen zu manipulieren und kreativ neue Tracks zu erschaffen.

Technisch handelt es sich um einen Container mit der Dateiendung .mp4, der fünf AAC-komprimierte Dateien enthält. Die Dateiendung wird  .stem.mp4 sein (z.B. trackname.stem.mp4), um Stems von normalen .mp4-Dateien am Namen zu unterscheiden. Eine .stem.mp4-Datei kann wie ein ganz normaler Track im .mp4-Format von jeder DJ-Software, Mediaplayern wie z.B. iTunes oder auch auf aktuellen CDJs abgespielt werden. Dazu enthält der Container auch eine wie gewohnt gemasterte Stereo-Spur. Die erweiterten Möglichkeiten kommen von den vier zusätzlichen Stereo-Spuren.

Wie bei herkömmlichen Audio-Dateien können Meta-Daten mit jeder ID3-fähigen Software  bearbeitet und auch Beatgrid, Load-Marker, Loops sowie Cue-Punkte wie gewohnt gesetzt werden. Nur um auf die einzelnen Spuren der Stems zuzugreifen und sie mit Filtern und Effekten zu versehen, sind passende Software oder Controller notwendig.

Traktor Pro, die DJ-Software von NI, soll dieses Format als Einzelspuren ab Sommer dieses Jahres unterstützen. Für Musik-Produzenten wird es eine Tool geben, die sie in ihre DAW einbinden können um Stems direkt in ihrem Workflow zu erzeugen. NI hat angekündigt, Stem als offenes Format zu veröffentlichen und andere Hersteller wie auch Musikschaffende eingeladen, es zu nutzen. Das heißt, die Dokumentation wird öffentlich zugänglich gemacht, wie man Tracks in diesem Format erstellt und abspielt, es wird keine Lizenzgebühren geben um Tracks als Stems zu erstellen, zu vermarkten oder zu spielen. Ab Juni soll es eine Webseite geben, auf der alle Informationen zu finden sein werden.

Ebenso haben Juno, Beatport und Traxsurce angekündigt, ab Juni Musikdownloads im neuen Stem-Format zu verkaufen. DJ Tech Tools baut bis zum selben Zeitpunkt eine Plattform auf, auf der Producer ihre Arbeiten im neuen Format hochladen und DJs herunterladen können.

Jetzt wird es davon abhängen, wie gut das neue Audio-Format sowohl von den Künstlern als auch von anderen Software- und Geräteherstellern angenommen wird. Mit seiner starken Position im Bereich Musikproduktion und DJing sowie der Unterstützung der führenden Musik-Portale für DJs hat NI eine gute Ausgangsposition um das Stem-Format erfolgreich zu etablieren.

 Was hältst Du von dem Vorstoß von Native Instruments? Brauchst Du das neue Audio-Format für Dein DJing? Schreib uns in die Kommentare …

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