User-Fragen

Deine Frage: Was wird mit dem Gain-Regler eingestellt?

Gain-Regler, Kanalfader und Master-Regler
Gain-Regler, Kanalfader und Master-Regler. Foto: Foundry/pixabay.com

Unser Leser Jochen hat sich einen Denon DJ MC4000 gekauft und sagt: „Ich habe da noch Fragen zu den Einstellungen von Kanalpegel, Kanalfader und Master. In welchem Verhältnis müssen diese Regler eingestellt werden? Was genau wird mit dem Gain-Regler eingestellt?“

Vor der Frage stehen viele unserer Leser, die sich erstmalig einen DJ Controller zulegen. Insbesondere bei Geräten, deren Bedienungsanleitung zwar die Bedienelemente benennt, aber nicht erläutert, wie sie im Zusammenhang eingesetzt werden. Das ist bei den Dutzenden von Reglern und Tasten oft auch nicht intuitiv erfassbar. Und insbesondere bei der Lautstärkeregelung gibt es, wie Jochen sofort erkannt hat, drei Regler, die auf den ersten Blick alle das Gleiche machen, nämlich die Lautstärke anpassen.

Tatsächlich haben die drei Regler natürlich unterschiedliche Funktionen, sonst hätten die Ingenieure sie ja nicht gebaut bzw. längst eingespart. Fangen wir mal an:

Die Mixersektion mit den Kanalzügen ist bei den meisten Controllern so aufgebaut wie bei klassischen DJ Mischpulten. Stell Dir am besten vor, das Signal durchfließt Deinen Controller von hinten nach vorne. Hinten meint die Eingangsbuchsen, vorne meint den Crossfader. Nach dem Crossfader geht das Signal dann über den Regler der Master-Lautstärke an die Ausgangsbuchsen.

Nun haben klassische DJ Mischpulte Cinch-Buchsen als Eingänge für die Kanalzüge, an die z.B. Platten- oder CD-Spieler angeschlossen werden. Bei Jochens MC4000 ist das nicht so, da der keine externen Eingänge hat, die über die Kanalzüge geführt werden. Der MC4000 bezieht seine Musik aus dem Rechner. Hier stellt die rückwärtige USB-Buchse (unter anderem) den Eingang dar, da die Musik-Dateien ja auf dem Rechner liegen und an den Controller gesendet werden. (In Wirklichkeit funktioniert das anders, da Du mit dem Controller steuerst, was im Rechner mit dem Audiosignal gemacht wird. Aber zum Verstehen der verschiedenen Regler hilft die Vorstellung, dass die Musik den Kanalzug durchläuft, recht anschaulich.)

Als ersten Regler trifft Dein Signal auf den Gain-Regler (bei manchen Controllern mit „Trim“ beschriftet, auf deutsch als Kanalpegel bezeichnet). Der dient dazu, das Eingangssignal korrekt auszusteuern.  Das hat zwei Zwecke:

Zum Einen soll das Signal Deine Kette mit der optimalen Lautstärke durchlaufen. Ist es zu leise, kommt nicht genug an der PA an (die Anlage, die Deine Tänzer beschallt) und bei niedrigem Eingangspegel und entsprechend hoher Verstärkung in der PA, machen sich zunehmend Störgeräusche bemerkbar (Rauschen z.B.). Ist es zu laut, kommt es zu Verzerrungen. Hier sind digitale Ketten wesentlich empfindlicher als analoge. Letztere haben oberhalb 0 dB noch einen Spielraum, ehe die Verzerrungen dann langsam, aber merklich zunehmen. Bei digitalen Systemen wie unseren Laptops mit der Software und dem Controller, ist alles über 0 dB verzerrt. Und das ist anstrengend für Deine Gäste und nicht gut für die PA Anlage.

Zum Zweiten passt Du die Lautstärke der beiden Tracks untereinander an. So wird der Übergang von einem Lied zum anderen nicht durch Lautstärkeunterschiede bemerkbar.

Die meisten DJ Programme bieten eine „Auto-Gain“ Funktion. Diese ist standardmässig aktiviert und soll die Lautstärke-Anpassungen automatisch vornehmen. Das funktioniert je nach Software und verwendetem Musikmaterial unterschiedlich gut. Spielst Du alles aus einem Genre und aus einer Zeit, dürften die Lautstärkeunterschiede zwischen einzelnen Tracks nicht so groß ausfallen. Dann wirst Du die Gain-Regler nur wenig einsetzen, nachdem Du einmal eingepegelt hast. Spielst Du dagegen Musik aus verschiedenen Jahrzehnten (mit unterschiedlichen Produktionstechniken) und verschiedenen Genres, wirst Du die Gainregler doch immer wieder brauchen.

Bevor Du einen Song reinmischst (also ehe Dein Publikum das hört), suchst Du Dir mit dem Kopfhörer den lautesten Bereich des Tracks. Dies erkennst Du in Deiner DJ Software in der Wellenform des Tracks sehr gut. Diese Stelle hörst Du Dir auf dem Kopfhörer an und pegelst den Track ein. Falls Du noch Cassetten-Rekorder kennst, funktioniert das mit der Aussteuerung genauso. Dafür stehen Dir die LED Ketten an Deinem Controller zur Verfügung. Mit dem Gainregler stellst Du den Kanalpegel dann so ein, dass die LED-Ketten so weit wie es geht im grünen Bereich ausschlagen, ohne dass sie in den roten Bereich kommen. Wenn die unterste rote LED mal kurz aufflackert, ist das noch unkritisch, aber ein ständiges Leuchten solltest Du vermeiden, da das Verzerrungen signalisiert. Die Engländer bringen es auf die kurze, aber einprägsame Formel: „red is bad“. Halte Dich daran. Nur so präsentierst Du Deinen Gästen Deine Musik in der besten Klangqualität.

LED-Ketten
Die LED-Ketten an Deinem Controller sind ein wichtiges Werkzeug, um Deine Tracks richtig einzupegeln. Foto: jens-z / pixelio.de

Machst Du das mit jedem Track so, ehe Du ihn reinmixt, sind alle Tracks  auf dem gleichen Lautstärkeniveau. Spielt ein Track alleine, ist der jeweilige Kanalfader voll geöffnet. Die Kanalfader dienen dann nur noch dazu, den Übergang zwischen den Stücken zu gestalten. Hier gibt es zwei Dinge zu beachten:

Wenn Du im eigentlichen Übergang beide Kanalfader voll aufziehst, übersteuerst Du das Mastersignal, da sich die Lautstärke beider Songs addiert. Hier erfordert es also Feingefühl, um das zu vermeiden. Dabei helfen Dir Deine Monitorboxen oder das Mastersignal im Kopfhörer die Lautstärke im Übergang konstant zu halten. Wenn Du am Controller oder in Deiner Software eine Anzeige für die Masterlautstärke hast, kann das gerade am Anfang auch eine Hilfe sein.

Arbeitest Du beim Mixen mit den EQs, verändert das auch die Lautstärke des jeweiligen Tracks (die EQ-Sektion kommt im Kanalzug ja nach dem Gain-Regler). Die höchste Lautstärke-Energie haben die tiefen Töne. Drehst Du also den Tiefen-Regler Deines EQs rein, steigt die Signallautstärke deutlich an. Leichte Anstiege korrigierst Du mit dem Kanalfader, kräftige Änderungen, die das Kanalsignal in den roten Bereich treiben, mit dem Gain-Regler.

Bleibt noch der Main- oder Masterregler. Im Club hast Du in der Regel keinen Zugriff auf die Lautstärkeinstellungen der PA. Auch wenn Du eigene aktive Boxen betreibst, willst Du nicht jedes Mal zur Box rennen und Dich bücken, um die Lautstärke zu ändern. Hier hilft Dir der Master-Regler die Ausgangslautstärke Deines fertig gemischten Signals direkt am Controller festzulegen.

Hilft Dir die Beschreibung? Hast Du noch Tipps und Tricks, die Dir beim Aussteuern und mixen helfen? Ich freue mich über Deine Erfahrungen in den Kommentaren …


Titelfoto: Foundry/pixabay.com

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