Musik & Mixen

Hilfe! Ich habe meinen ersten Controller gekauft. Was nun?

DJ im Gegenlicht
DJ. Foto: Unsplash/Pixabay

Diese Frage wird uns oft gestellt. In der Regel findet ein angehender digitaler DJ unsere Seite, liest über Wochen ganz viel über den passenden Laptop für DJs, über DJ Software und DJ Controller. Dann ist es irgendwann so weit und eine Bestellung wird rausgehauen. Die Begeisterung ist groß, das Paket vom Online-Shop kann kaum erwartet werden – oder der Controller wird aus einem Musikhaus direkt nach Hause geschleppt. Nach ein paar Tagen bekommen wir dann eine E-Mail, die ungefähr so lautet:

„Ich habe mir einen Controller gekauft. Die passende Software habe ich auf meinem Rechner installiert. Musik hatte ich schon eine ganze Menge, von einem Kumpel habe ich noch eine ganze Ladung MP3s bekommen. Ich kann zwei Tracks gleichzeitig abspielen und mit den Kanal- und Crossfader überblenden. Aber irgendwie klingt das noch nicht so richtig. Was mache ich als nächstes? Ich habe das Gefühl, dass ich noch so viel mehr lernen müsste ….“

In den alten Vinyl-Zeiten würden wir jetzt für mindestens 3 bis 6 Monate üben: eincuen und beatmatchen. Das war zumindest das, was wir glaubten zu tun. In Wirklichkeit haben wir in dieser Zeit während des Beatmatchens erkannt und gelernt, was wir noch alles wissen und können müssen.

Denn in diesen Monaten würden wir die Verkäufer im nächsten Plattenladen gut kennenlernen und von ihnen Tipps und manche gute Scheibe bekommen. Wir würden einen Plan schmieden, eine Party zu schmeißen und grübeln, wie wir zu unserem ersten Gig im nächsten Club kommen. Wir würden uns mit Freunden treffen, die bereits ein Paar Plattenspieler zu Hause haben – oder vorhaben, sich auch welche zu kaufen. Wir würden ausgehen in heiße Clubs und Bars und uns anhören, was die DJs dort spielen und wie sie die Übergänge mixen. Das wäre so eine Art DJ-Schule für uns selbst, die wir in den paar Monaten durchlaufen – ohne dass wir es merken.

Heute sind wir dank der technischen Unterstützung in der Lage, innerhalb von wenigen Minuten mit Hilfe der Sync-Taste einen halbwegs passablen Übergang zwischen zwei Tracks hinzubekommen. Ein paar halbwegs passable Übergänge machen aber noch keine DJ. Deshalb das Gefühl „hier fehlt mir doch noch was …“

Angenommen, Du hast Deinen DJ Controller mit der passenden Software auf Deinem Rechner, einen Kopfhörer und ein Paar Boxen zum Abhören Deines Mixes alle eingerichtet und kannst loslegen: lass uns doch mal schauen, was Du noch alles machen kannst, damit aus einem blutigem Anfänger eine passabler digitaler DJ wird.

7 einfache Schritte: vom Abspielen der ersten MP3s zu einem DJ-Set

1. Setz Dir ein Ziel

Immer nur vor Dir hin zu üben ist was ganz anderes, als wenn Du weißt: „in acht Wochen spiele ich vor XX Leuten. Da will ich ein gutes Set abliefern.“ Nichts treibt Dich mehr an, als zu wissen, dass Du in soundsoviel Tagen von heute an vor einem echten Publikum spielen wirst und dazu gut vorbereitet sein möchtest.

Überlege Dir also Dein Ziel als DJ. Das sollte nicht am nächsten Wochenende sein, ein paar Wochen sind schon o.k. – die wirst Du brauchen. Es muss auch kein Gig in einem Club sein. Lade zum Beispiel Deine Freunde zu einer Party ein. Oder nimm Dein erstes digitales Mixtape auf, dass Du dann im Internet veröffentlichst und Deinen Freunden gibst. Was es auch ist: setze Dir ein Datum fest und erzähle es Deinen Leuten. Zack – von da an wirst Du auf dieses Ziel fokussiert sein.


Titelfoto: Unsplash/Pixabay

17 Kommentare

  1. Super Artikel. Danke!
    Mein Sohn will mit dem Djing anfangen. Klar es muss Pioneer sein. Etwas an den Regler schrauben und schon läuft alles rund. So zumindest sieht es im Moment mein Junior. Ich habe mich erstmals mit diesem Thema beschäftigt und sofort erkannt, dass da weit mehr dahinter steckt.

    Dieser Artikel ist super informativ. Sehr motivierend geschrieben und öffnet die Augen das es sehr viel Arbeit ist und es vordergründig eine Passion zur Musik braucht.

    Ich werde diesen Artikel mit meinem Sohn besprechen und wenn er es engagiert angehen will ihn auch dabei unterstützen. Natürlich nicht beim Djing und bei der Musikwahl das wäre sicher voll uncool für Ihn. Aber mit Verständnis und gelegentlicher finanzieller Unterstützung wenn es wieder mal eine sinnvolle Anschaffung braucht . Mal schauen wie nachhaltig er sich bis zu Weihnachten in dieses Thema einarbeitet. Dann könnte ich mir gut vorstellen, dass der Weihnachtsmann die grundlegende Ausrüstung bringt 😉

    Hier eine kleine Frage. Habe mich etwas in die Hardware eingearbeitet. Er möchte ohne Notebook d.h. Standalone arbeiten können und möglichst mobil und flexibel sein da er Pendler ist.

    Bin da auf zwei Pioneer gestossen:
    – DJ Wego3 oder XDJ Aero. Was ist von diesen Geräten für einen absoluten Anfänger zu halten. iPhone und iPad als Zuspieler und Steuerungsgerät sind vorhanden. Ein PC für Rekordbox und zum erstellen von USB-Sticks ist auch vorhanden.

    Gibt es bessere Einstiegsvarianten? Wäre froh um eine Beurteilung ob dies sinnvolle Geräte für den Einstieg sind.

    Gruss
    Martin

    • Hallo Martin, danke für Dein Lob – freut mich, dass Du den Artikel informativ und motivierend findest 🙂 Und cool, dass Du Deinen Sohn unterstützt.

      Den XDJ Aero haben wir noch nicht getestet, insofern ist es schwierig, hier einen fairen Vergleich zu machen. Da Ihr bereits mit iOS Geräten ausgestattet seid, würde ich aber den WeGO3 vorziehen, da beim XDJ Aero die Displays ein limitierender Faktor sind, sie sind nur monochrom und nicht grafikfähig. Der WeGo3 nutzt dagegen zur Anzeige das iOS Gerät, so dass bereits mit einem iPhone eine wesentlich bessere Anzeige der Tracks gegeben ist, vom iPad ganz zu schweigen (mit Wellenform, Cue-Punkte, Loops, drehende „Plattenteller“ etc.). Und mit jedem neuen iPad / iPhone wachsen die Möglichkeiten der Kombination weiter, während der Aero als All-In-One Gerät so bleibt wie gekauft.
      Wenn es Pioneer DJ mit rekordbox und iOS sein soll, fällt mir nicht mehr viel anderes ein. Interessante Alternativen sind sonst noch der Reloop Beatpad 2 und auch der Hercules Universal DJ, die vom Layout her beide wesentlich dichter an einem klassischen Controller dran ist.
      Hoffe, dass Dir / Euch das hilft!

      Gruß
      Andreas

    • hallo martin
      ich halte von den controllern nichts!

      empfehlung analog: (teuer)
      mixer mit 2 pioneer cdjs / 2 xdjs für 2 decks a/b
      (xone:23 – cdj350/xdj700) oder (xone:92 – cdj2000nexus/xdj1000)

      empfehlung digital mit macbook: (günstig bis mittel teuer)
      (native instruments konstrol s2/s4/s5/s8) software bereits enthalten (wichitg)

      weitere empfehlung mit macbook: (mittel teuer)
      mixer (analog) (xone:92) mit audio Interface (traktor scratch a6) und traktor kontrol x1 / f1
      mixer (digital) (xone:23c / xone:43c und traktor kontrol x1 /f1

      „Hier eine kleine Frage. Habe mich etwas in die Hardware eingearbeitet. Er möchte ohne Notebook d.h. Standalone arbeiten können und möglichst mobil und flexibel sein da er Pendler ist.“

      letzte empfehlung: (teuer)
      pioneer xdj rx
      [Mit dem Pioneer XDJ-RX können DJs in Zukunft ihren Laptop zuhause lassen. Er vereint zwei USB-basierte Player und einen 2-Kanal Mixer mit hoher Verarbeitungsqualität und Performance-Features aus Pioneer DJs Club-Standard Nexus. Das 7 Zoll große LCD-Display mit Vollfarbdarstellung zeigt alle Informationen und Wellenformen beider Decks gleichzeitig an. Anschlüsse für Plattenspieler und Line erlauben die Nutzung als Stand-Alone Mixer und das interne Interface ermöglicht die direkte Aufnahme auf USB.]

      ebenfalls sollte man bedenken:
      soundsystem
      dj kopfhörer
      effekte (boss dd7 / rv5)

      grüße

      • Hallo Vincestoned, danke für Deine Vorschläge. Da sind alles gute und hochwertige Geräte zum Auflegen. Allerdings liegst Du mit jeder der Kombinationen in völlig anderen Preisregionen als die Controller, die Martin ins Auge gefasst hatte. Auch was Mobilität und Flexibiltät angeht, bin ich nicht sicher, ob das die Vorstellungen trifft. Als Pendler würde ich nicht gerne 8 kg (XDJ-RX) plus Tasche / Case herumtragen oder eine Kombination aus Mischpult und zwei Zuspielern.

        Am ehesten trifft noch der Traktor Kontrol S2 Mk2 die Anforderungen, da er auch mit iOS Geräten spielt und mit knapp 400 € „nur“ die Hälfte teurer ist wie ein WeGo3. Allerdings nicht mit rekordbox, sondern mit Traktor Pro, was ebenfalls eine hervorragende DJ Software ist.

        Bin mal gespannt, was Martin sagt. Danke Dir auf jeden Fall für Deine Vorschläge !!
        Grüße, Andreas

      • Danke Vincestoned für deine Input. Ich muss aber Andreas Paul recht geben. Mein Junior ist 16 Jahre alt hat weder einen MacBook noch die Kohle für einen XDJ-RX und auch nicht die Muckis diesen herumzuschleppen 😉

        Deine Tipps sind sicher was für später. Ob ihm das Hobby überhaupt gefällt und er daran lange Freude und Engagement zeigt weiss ich noch gar nicht. Dann ist wohl ein RX eine Kanone mit welcher man auf Spatzen schiesst.

        Trotzdem Danke für die tollen Infos.

        Gruss
        Martin

    • Hallo Reini,

      das hängt von der Version von Virtual DJ ab. Falls Du einen Controller mit einer LE Version kaufst, läuft Automix nicht. Das erfordert ein (kostenpflichtiges) Upgrade auf VDJ Plus oder VDJ Pro.
      Andreas

  2. Hallo,
    guter Artikel. Sehr interessant.
    Aber es gibt immernoch bei mir diese eine Baustelle. Die meist geliebten Lieder sind die, die in den Charts zu finden sind. Nur leider eignen die sich schlecht zum mixen bzw. zum mixen üben. Aber dennoch bekommen es einige gute Dj’s hin diese Lieder mit guten übergängen aufzulegen. Wie macht man das? Oder besser gesagt wie lernt man das?
    Grüße Flor

    • Am besten und einfachsten geht das mit den Club-Versionen der Songs (oder auch extended mix oder original mix) versus der Radio-Version (radio edit). 1. Geschwindigkeit angleichen mit dem Pitchfader. 2. Beim zweiten Song die Stelle suchen, mit der Du starten möchtest (sollte auf eine „1“ sein). 3. beim ersten Song mitzählen und auf eine „1“ den zweiten Song starten (nur für Dich im Kopfhörer hörbar). 4. Das so oft wiederholen, bis die Beats gut aufeinander liegen. Notfalls mit dem Jog Wheel oder Pitch Bend Tasten etwas Gas geben oder bremsen. 5. Langsam überblenden – entweder mit beiden Line-Fadern gleichzeitig oder dem Crossfader.
      Das Wichtigste dabei ist, dass Du den Takt richtig klopfen und dann auch mitzählen kannst.
      Andreas

      • Wo bekommt man extendet mix oder orginal mix von gängigen Charsts Lieder am besten her? Wo kann man die am besten kaufen? Bzw. gibt es da evtl. auch Sampler oder muss man da jedes Lied einzeln kaufen?

        • Flo, sorry – die Antwort auf Deinen Kommentar ist mir fast durch die Lappen gegangen. Die Original-, Extended- oder Club-mixe findest Du in den einschlägigen DJ Portalen. Dazu gibt es ein paar Artikel hier auf einfach auflegen. Aber auch bei itunes oder Amazon findest Du das durchaus.
          Sampler kommt sehr darauf, welche Musikrichtung. Auf Standard-pop Samplern wie Bravo Hits und sowas findest Du oft nur die Radio-Versionen. Andreas

  3. Hallo!
    Ich bin 14 Jahre alt und habe vor ca. einen Jahr mit dem Mischen von Songs angefangen. Mit VDJ am Notebook und mit Cross DJ fürs Android-Smartphone. Nun möchte ich mir einen Controller kaufen. Ins Auge gefallen ist mir der Numark NV 2 und der Reloop Terminal Mix 8. Was sagt ihr dazu?
    Außerdem frage ich mich ob diese Controller eine Nummer zu groß für mich sind und ob ich vorerst auf einen 2-Kanal Controller, wie den Numark Mixtrack Platinium setzen sollte. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
    Max

    • Hallo Max,
      das sind in der Tat beides sehr große und auch teure Controller.
      Es hängt davon ab, wie weit du mit deinem DJing schon bist. Für den Anfang ist sicherlich ein 2-Kanaler vollkommen ausreichend, Der Mixtrack Numark Platinum ist da ein sehr ordentlicher DJ Controller für den Einstieg. Er hat ein paar Einschränkungen bei der Steuerung der Effekte. Wenn das für dich akzeptabel ist, du keinen externen Zuspieler einbinden möchtest und vor allem Lieder ineinander mixen möchtest, bist du damit super bedient.
      Bedenke auch, dass du entweder bei allen genannten Controllern auf Serato umsteigen oder in eine entsprechende Lizenz für VDJ investieren musst.
      Andreas

      • Danke für deine Antwort!
        Eine Frage hätte ich noch. Welchen Controller würdest du bevorzugen, und ist der Umstieg von VDJ auf Serato ein großer? Denn ich habe viel Gutes über Serato gehört und mir würde es auch nicht viel ausmachen alle Tracks nochmal zu bearbeiten, denn ich möchte so und anders meine Musikbibliothek neu aufbauen.
        LG Max

        • Du kannst dir von Serato DJ eine kostenlose Testversion holen. Probiere die aus, dann merkst du am besten, wie gut du damit zurecht kommst. Allerdings musst du beachten, dass der Numark Mixtrack Platinum mit der abgespeckten Version Serato DJ Intro kommt. Also auch hier solltest du die rund 100 € für das Upgrade auf die Serato DJ Vollversion einplanen. Andreas

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