Musik & Mixen

Ist ein digitaler Record Pool was für Dich? (Teil 1)

Record Pool
Record Pools haben früher Schallplatten an DJs gegen Feedback verteilt. Foto: artemtation/Pixabay.com

Ist ein digitaler Record Pool was für Dich?

Die neueste und angesagteste Musik war schon immer ein wichtiger Baustein der DJ Kultur. Heute versuchen digitale Record Pools, uns DJs genau das zu geben. Mit MP3s und WAVs, die digital verteilt werden, ist es für DJs deutlich schwieriger, als erster die coolsten, neuen Tracks oder exklusive Mixes zu haben. Insbesondere durch genrespezifische Blogs, Soundcloud und Bandcamp ist ein geiler Track oft schneller in der Welt bekannt, als Du ihn herunterladen kannst.

Geschichte der Record Pools

Record Pools wurden in den USA erdacht, genau genommen Mitte der 70er Jahre in New York, wo DJs und Schallplattenlabel ein gemeinsames Interesse hatten, die neuesten Aufnahmen vorab als Promos auf den Tanzflächen der Underground Clubs zu spielen. Als Gegenleistung für die kostenlos verteilten Platten bekamen die Labels das Feedback der DJs, wie gut die Tracks ankamen – und manchmal auch Hinweise, wie sie sie verbessern könnten. Der erste Record Pool war eine sehr exklusive Veranstaltung, die Anzahl der DJs durfte nicht zu groß werden, da die Herstellung und Verteilung der Platten für die Labels mit erheblichen Kosten verbunden war. Und genug DJs haben ihr damals noch extrem mageres Gehalt durch Weiterverkauf der Promo-Scheiben aufgebessert.

Später gab es dann auch Record Pools, die von den DJs für Ihre Dienste einen Obolus verlangten. Auch heute gibt es noch kostenlose und kostenpflichtige Record Pools. Der Name ist ein Relikt aus alter Zeit, die Funktion ist aber noch immer die gleiche. Manche Record Pools existieren bereits seit Jahrzehnten und haben den Wechsel in die digitale Welt mitgemacht. Andere sind im digitalen Zeitalter neu gegründet worden. Sind sie ihr Geld oder Deine Zeit Wert? Und wie wählst Du einen für Dich passenden aus?

Record Pools heute

Alter Platenladen
Die Umwälzungen durch die Digitalisierung betreffen alle Zweige der Musikindustrie. Foto: HeiFisch, Pixelio.de

Die Musikindustrie hat sich mit der Digitalisierung stark verändert. Gab es früher neben den Major Labels noch eine überschaubare Anzahl von Spezial-Labels, ist die Anzahl der Labels in den letzten Jahren förmlich explodiert. Auch die Distributionswege haben sich sehr stark geändert. Der klassische Schallplattenladen, den es früher in jeder Kleinstadt gab, ist fast vollständig verschwunden. An seine Stelle sind zuerst Versender getreten wie Amazon und JPC, die dann durch Downloadportale ersetzt wurden (iTunes, Musicload (erinnert sich noch wer?), Qobuz, auch hier Amazon und Spezialisten für Dance Music wie Junodownload, Traxsource und Beatport.

Heutzutage versenden Record Pools keine Pakete mehr mit Vinyls oder CDs, sondern verteilen die neueste Musik digital. Die meisten geben nach wie vor an, sie würden DJs mit Musik versorgen, es wird in der Regel aber nicht streng kontrolliert, ob Du wirklich auflegst. Gib es bei der Anmeldung einfach an, das genügt meistens. Dafür zahlst Du in der Regel einen monatlichen Obolus, es gibt aber auch kostenlose Pools.

Noch immer kannst Du durch Record-Pools an exklusive Sachen kommen. Die Record-Pools wissen, dass sie z.B. durch das Anbieten von speziellen Remixen für DJs einen echten Mehrwert bieten. Wenn Du als DJ also regelmäßig heiße Tracks haben willst, die nicht jeder auf iTunes, Amazon oder Beatport findet, bist Du bei Record Pools sicher gut aufgehoben.

Teil der Leistungen eines Record-Pools ist, dass sie die Musik vorhören, nur qualitativ hochwertiges Zeugs aufnehmen und ordentlich kategorisieren, so dass Du eine sorgsam vorausgewählte Anzahl von Tracks bekommst – im Gegensatz zur schier unübersichtlichen Anzahl von Neuveröffentlichungen, die Du sonst durchforsten musst.
Interessanterweise gibt es auch Download-Angebote im Abo-Modell, die sich direkt an Konsumenten richten. Das bedeutet für die auf DJs ausgerichteten Portale, dass sie sich immer wieder Neues einfallen lassen müssen, um für DJs echte Vorteile zu bieten. Oftmals macht der Kundenservice einen entscheidenden Unterschied zwischen den verschiedenen Angeboten.

Wie wählst Du den passenden Record Pool aus?

Im zweiten Teil dieses Artikels haben wir eine Reihe von Record Pools mit Links für Dich aufgelistet. Jetzt geht es erst einmal um die Frage, nach welchen Kriterien Du Dich für einen Pool – und gegebenenfalls das Abo dort – entscheidest:

In welcher Qualität liegen die Tracks vor? Wenn Du als mobiler DJ eine gute Anlage hast oder als Club DJ auf solchen spielst, solltest Du auf die Qualität Deines Musikmaterials achten. Stammen die Dateien direkt vom Label? Oder sind sie irgendwo von CD, Vinyl oder gar aus dem Radio oder Internet gerippt? Bei MP3 sollten die Songs 320 kbps haben, bei Apples .m4a 256 kbps, am schönsten natürlich, wenn es .wav oder .flac Dateien in CD-verlustfreier Qualität gibt.

Wie viele neue Tracks kommen jede Woche oder Monat dazu? Wenn Du erstmal Dein Abo abgeschlossen hast, kannst Du das nicht beeinflussen, sondern es liegt ausschließlich in der Hand des Anbieters, wie viel er regelmäßig an den Start bringt. Wenn der Musik-Pool nicht genug neue Musik anbietet, macht es ihn weniger attraktiv. Auf der anderen Seite ersetzt Masse auch nicht Klasse – geh also nicht nach der schieren Anzahl von Tracks. Ein Pool, der wenige, dafür hochkarätige Tracks bringt, kann viel mehr Wert sein, als ein Pool, der Dich mit Schrott zuballert.

Gibt es genug Tracks, die Du auch tatsächlich nutzen kannst? 50 neue Tracks am Tag sind toll – allerdings nicht, wenn es nur EDM Musik ist, Du aber Hip-Hop auflegst. Oder anders herum.

Wie gut ist der Zugriff auf ältere Tracks? Gerade wenn es ein Pool ist, der schon länger dabei ist, kann es attraktiv sein, wenn Du Dich auch bei den Klassikern von vor 5, 10 oder 20 Jahren bedienen kannst, um damit Deine Sets anzureichern.

Wie viele der Tracks sind exklusiv? Bieten Sie Dir spezielle Remixe, Mashups, Acapellas oder Instrumental-Versionen, die es woanders nicht gibt? Gibt es Pop-Musik, bei denen die Intros und Outros DJ-freundlich verlängert wurden, so dass Du sie gut mixen kannst?

Sind die Tracks vernünftig getaggt? Es macht keinen Spaß, immer wieder Artist und Track-Titel zu tauschen oder auf leere Felder bei Release-Date, Composer, Mixer etc. zu starren. Und wenn BPM und Key nicht nur im Katalog mit angegeben sind, sondern auch sauber getaggt sind, macht es das Leben leichter.

Wie ist der Kundenservice? Viele Musik-Pools sind in bestimmten Städten entstanden oder stammen aus bestimmten Szenen. So kannst Du zum Teil exzellenten, persönlichen Service finden, wie Du ihn von normalen, an die Masse gerichteten Download-Portalen nicht findest. In den Musik-Pools arbeiten Menschen, die genau diese Musik lieben und sich super damit auskennen. Sie kennen sich in der Szene aus und können Dir vielleicht sogar mit Kontakten helfen, um als DJ voranzukommen. Teste den Kundenservice und stelle einige der Fragen hier aus diesem Artikel. Schaue, ob der Service Deine Erwartungen erfüllt. Wenn nicht, könnte iTunes oder Beatport doch die bessere Alternative sein.

Was kostet der Spaß? Diese Frage solltest Du Dir als letzte beantworten. Ein guter Musik-Pool ist viel mehr Wert als das, was Du monatlich zahlst. Ein schlechter (oder für Dich nicht passender) ist wohl selbst als kostenloser nicht den Aufwand wert, sich durch die Musik zu quälen. Aber insbesondere, wenn Du knapp bei Kasse bist, ist das natürlich eine wichtige Frage. Auf der anderen Seite bist Du selbst bei einem Bezahlpool bei einigen wenigen Downloads jeden Monat von Beatport, Traxsource oder Juno ganz schnell bei der Monatsgebühr für einen Record-Pool.

Fortsetzung

Morgen geht es weiter in Teil 2 mit einer Übersicht der besten Record Pools. Aus der großen Menge an Musik-Pools findest Du dort eine Auswahl an Pools, die es sich lohnt mal anzuschauen.


Titelfoto: artemtation/pixabay.com

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