DJ Software

Traktor Pro 3 ist da – und nun?

Traktor Pro 3 Arbeitsoberfläche
Die Oberfläche von Traktor Pro 3 zeigt bekannte Elemente in einem frischeren Look. Grafik: Native Instruments

Seit gestern ist Traktor Pro 3 offiziell erhältlich. Schauen wir uns einmal an, was sie kann – uns was nicht:

Macht an

Die Lizenzierung und Integration von Elastique V3 als Audio Engine (das ist für dich als Nutzer nicht zu sehen, die läuft sozusagen im Maschinendeck) ist ein großer Sprung, was den Klang angeht, wenn du die Geschwindigkeit der Tracks änderst und Keylock aktiviert hast. Punkt.

Schick ist das verbesserte User-Interface und das überarbeitete Layout. Sieht frischer aus und einige Sachen wie die deutlich größere Anzeige der Master-Aussteuerung oder farbliche Unterscheidung von Filter und Effekten sind eine prima Unterstützung.

Im Beatgrid kannst du dir jetzt die „1“ anzeigen lassen (bislang sahen alle vier Taktschläge identisch aus).

Toll ist auch, dass Traktor Pro jetzt einen mit Effekten belegbaren „Filter“-Regler hat. Abgeschaut von Pioneer DJs „Colour FX“ werden Effekte so viel einfacher und intuitiver nutzbar. Es stehen neun Effekte zur Verfügung, von denen du vier in eine Vorauswahl laden kannst. Alle Effekte arbeiten bi-polar, das heißt eine Drehung nach links führt zu anderen Ergebnissen als eine Drehung nach rechts. In der 12 Uhr ist der Effekt deaktiviert.

Der Limiter hat jetzt zwei Varianten: „Classic“ (wie zuvor) erlaubt leichtes Clipping und damit leichte, warm klingende Verzerrungen. Das neue „Transparent“ verhindert jegliche Übersteuerungen und Verzerrungen und sorgt so für erstklassigen Sound.

Es gibt drei neue MIDI-Befehle:

  • Reverse Playback On: spielt den Track rückwärts ab (das scheinen US-DJs zu brauchen, um unanständige Worte unhörbar zu machen). Du kannst diese Funktion natürlich auch kreativ einsetzen.
  • Flux Reverse Playback On: spielt den Track rückwärts ab und aktiviert gleichzeitig den Flux-Modus. Das erleichtert den Einsatz von Reverse Playback, um dabei im Takt zu bleiben.
  • Channel FX Selector / Adjust / On: das zum Auswählen, An-/Ausschalten und Steuern der Mixer Effekte.

Traktor Pro 3 ist jetzt DVS-fähig. War früher ein Upgrade auf oder der Kauf der erweiterten Version Traktor Scratch Pro 2 fällig, brauchst du jetzt neben einem passenden Audio-Interface einfach nur noch das entsprechend Time-Code-Vinyl (oder CDs). Und schon kannst du die Traktor Pro 3 Software per Vinyl oder CD steuern.

Törnt ab

NI schreibt auf seine Webseite unter der Überschrift „Immer Synchron“ vollmundig: „Ein schneller Klick auf dem Sync-Button synchronisiert präzise die Geschwindigkeit deiner Tracks.“ Das gilt aber nach wie vor nur für Tracks mit starrem Beatgrid. Flexible Beatgrids, wie sie praktisch jede andere DJ Software unterstützt, beherrscht Traktor noch immer nicht.

Das verbesserte Layout ist nicht Retina-fähig. Wer Traktor Pro 3 also z.B. auf einem neueren Macbook Pro nutzt, hat von der hohen Auflösung seines Bildschirms nicht wirklich etwas.

Genauso wenig gibt es Angaben von NI, dass Traktor Pro 3 kompatibel zu Apple macOS Mojawe sei, dass bereits im September erschienen war.

Verbesserungen im Track Management sind nicht auszumachen. Smarte Playlisten sind genauso wenig auszumachen wie eine flexiblere Suche. Von Multi-Artist oder Multi-Genre ist auch nichts zu sehen.

Traktor weist auf seiner Webseite auf die Kompatibilität von Traktor Pro 3 mit allen Controllern von Dritt-Anbietern hin, die Traktor Ready seien. Ich weiß nicht, wo sie diese Liste ausgegraben haben. Da sind jedenfalls uralte Gurken drin.Schön aus historischen Gründen und für DJs mit musealer Ausstattung. Wenn man die Liste einmal nach aktuell im Handel befindlichen Geräte durchgeht, wird es sehr dünn. Und es fällt auf, dass etliche aktuelle, häufig verkaufte Mixer und Controller wie Allen & Heath Xone:96, Denon DJ MC7000, Denon DJ Prime Series, Numark S6II, Pioneer XDJ-1000Mk2 gar nicht aufgeführt werden. Hier patzt Native Instruments und stellt für diese Geräte keine Mappings bereit.

Preis & Verfügbarkeit

Traktor Pro 3 kommt als Software mit den neuen Controllern Traktor Kontrol S4 Mk3 (erscheint demnächst) und Traktor Kontrol S2 Mk3 (bereits erschienen). Außerdem wird es ab sofort den Käufern von Traktor Kontrol S8, Z2 und A6 angeboten. Für bestehende Nutzer ist es ab sofort als Upgrade für 49 € erhältlich. Wer möchte, testet die neue DJ Software vorab dreißig Tage kostenlos.

Unsere Meinung zu Traktor Pro 3

Nachdem Native Instruments frisches Geld von Investoren erhalten hatte, hat der Leiter der Traktor Produkte, Pedram Faghfouri, im April angekündigt, dass sie ihre DJ Software von Grunde auf neu entwickeln, Traktor Pro aber zunächst weiter pflegen. Zu seinen Gunsten wollen wir mal annehmen, dass es sich bei Traktor Pro 3 um eine Weiterentwicklung von Traktor Pro 2 handelt. Zumindest hätte die Software auch gut und gerne Traktor 2.12 oder 2.2 heißen können.

Erst einmal vorweg: Native Instruments hat seine Nutzer über viele Jahre mit kostenlosen Upgrades versorgt. Die waren zum Teil ausgesprochen umfangreich und tatsächlich funktionsgeladen. Also keinen Groll, dass dieses Update jetzt 49 € kostet – zumal es auch gleich das bisherige Scratch mit beinhaltet.

Die Integration von Elastique V3 und den Mixer FX ist fein. Ansonsten kommen Zweifel auf, ob Native Instruments seinen Nutzern tatsächlich zuhört. Das Trackmanagement ist meilenweit entfernt von dem, was rekordbox bietet (und kommt dem keinen Schritt näher). Von flexiblen Beatgrids können Traktor User weiterhin nur träumen. Und auch was das Zur-Verfügung-Stellen von Mappings für Drittanbieter angeht, können das etliche andere Hersteller, viel kleinere Anbieter deutlich besser.

Unser Tipp für bestehende Nutzer: Mal für 30 Tage ausprobieren und checken, ob es deine Bedürfnisse erfüllt. Sonst bei Traktor Pro 2 bleiben oder das Geld in eine andere DJ Software investieren.

1 Kommentar

  1. Ich halte mir kurz und knapp:

    der autor hat zu 100% recht. Keine wirklichen verbesserung für das Musikmanagement, worauf ich so sehr gehofft habe. allgemeint hat sich einfach kaum etwas verändert. Traktor „2.12“ wie es der autor nennt passt voll und ganz 😉

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